Besorgniserregende Strahlenwerte in Stuttgart Hofen

Inzwischen liegen die ersten Messergebnisse zur Strahlenbelastung der Anwohner durch die von Vodafone und O2 auf dem Dach der ehemaligen Metzgerei Mühleisen errichteten Mobilfunk-Basisstationen vor. Die Untersuchungen wurden durch das von den Betreibern beauftragte em-Institut (Regensburg) von Prof Dr. Wuschek vorgenommen, einem öffentlich bestellten und beeidigten Sachverständigen auf diesem Gebiet.

im Stuttgarter Rathaus

Die Messungen haben ergeben, dass bei Vollauslastung der verursachenden Anlagen der deutsche Grenzwert, bezogen auf die Feldstärke, an einem Messpunkt zu mehr als 12% ausgeschöpft wurde. Es handelt sich hierbei um das Schlaf- und Kinderzimmer eines 6-jährigen Jungen, das sich rd. 30 Meter von den Antennen entfernt und nur leicht unterhalb deren Höhe befindet. Was sich zunächst beruhigend anhört, ist in Wahrheit fatal: Der deutsche Grenzwert ist aus den thermischen Effekten gepulster, hochfrequenter Strahlung auf den menschlichen Körper abgeleitet. Er dient also lediglich dazu, dass es im Umfeld der Strahlenquelle zu keinen Schädigungen durch die abgesonderte Wärme kommt. Die bereits weit unter dem Wert von 10 Watt pro Quadratmeter (bei UMTS) nachgewiesenen nicht-thermischen Effekte (wie Kopfschmerzen, Schwindel, langfristig auch DNA-Veränderungen und Krebs) werden dabei jedoch nicht berücksichtigt.

Neue Gefährdungsqualität

Bürgermeister Hahn hat uns im letzten Jahr schriftlich mitgeteilt, dass ähnliche Messungen im Stadtgebiet von Stuttgart "ausnahmslos in Aufenthaltsbereichen der unmittelbaren Umgebung von Basisstationen eine Ausschöpfung der gesetzlichen Grenzwerte von kleiner 3% ergeben" haben. In Hofen besteht also eine völlig neue Gefährdungsqualität für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.

In Absolutwerten wurden für besagten Raum etwa 150 Milliwatt pro Quadratmeter hochgerechnet. Zum Vergleich: Der oft zitierte Schweizer Grenzwert, der im übrigen auch in angeblich so rückständigen Ländern wie China, Russland und Polen gilt, liegt bei 100 Milliwatt/qm. Der gemeinhin als gerade noch "vernünftig" angesehene Vorsorgewert der Salzburger Ärzteresolution beträgt 1 Milliwatt/Quadratmeter. Der 6-jährige Junge ist also der 150-fachen Strahlenbelastung ausgesetzt! Dies ist völlig inakzeptabel.

Professor LutzMasten sofort außer Betrieb nehmen

Durch die von den beiden Mobilfunkunternehmen selber vorgenommenen Messungen sehen wir uns in unserer Forderung bestätigt, die UMTS-Basisstationen im Ortskern von Stuttgart-Hofen zur Vermeidung weiterer Gesundheitsschädigungen der Anwohner sofort außer Betrieb zu nehmen. Spätestens jetzt sollten auch die Gebrüder Mühleisen erkennen, dass eine unverzügliche Kündigung der Mietverträge erforderlich ist -- sollten die Grenzwerte in absehbarer Zeit etwa auf Schweizer Niveau gesenkt werden, könnten Schadensersatzforderungen in nicht kalkulierbarer Höhe auf sie zukommen.

Auch die Stadt und an allen voran Bürgermeister Hahn muss in Hofen endlich eingreifen: Ihre bisherige Position, es sei ja alles nicht so tragisch, ist mit dem Ergebnis dieser Messungen endgültig in sich zusammen gefallen. Die Politik hat Vorsorge zu betreiben, und dies ist hier dringend erforderlich.

In der Zwischenzeit bitten wir alle Bürgerinnen und Bürger in Hofen, durch ihr eigenes Verhalten zu einer bestmöglichen Verringerung der Strahlenbelastung im Ortskern beizutragen. Dies ist durch einige ganz einfache Maßnahmen möglich:

  • Bitte schalten Sie Ihr Handy ab, wenn Sie es nicht brauchen, vor allem nachts. Benutzen Sie zuhause Ihre Festnetzleitung zum Telefonieren. Die Leistung der Mobilfunk-Anlagen ist nutzungsabhängig geregelt, je weniger telefoniert wird und Handys Signale zu den Masten senden, desto geringer ist die Gesundheitsschädigung.
  • Vermeiden Sie in jedem Falle den Download von Spielen, Videos oder Musik über Ihr UMTS-Handy. Auch das reduziert die Strahlenbelastung und zeigt mittelfristig den Betreibern, dass die UMTS-Technologie kein wirtschaftliches Geschäftsmodell ist.
  • Bitte gehen Sie nicht über UMTS-Karten mit Ihrem PC oder Laptop ins Internet. Das Surfen klappt über einen DSL-Anschluß genauso gut. Außerdem vermeiden Sie die Dauerbestrahlung Ihrer Nachbarn und von sich selber.

im Stuttgarter Rathaus