Bürgerinitiative Mobilfunk Hofen, Stuttgart

17. Juli 2006. Deutschland genießt kurz nach dem Ende der Fußball-WM noch immer die euphorische Stimmung des „Sommermärchens“. Auch in Hofen, einem kleinen Stadtteil im Nordosten Stuttgarts, idyllisch gelegen am Max-Eyth-See, ist die Welt bis dahin in Ordnung. Niemand schöpft Verdacht, als an diesem Tag die Parkplätze am zentral gelegenen Kelterplatz mit dem Hinweis auf „Kranarbeiten“ abgesperrt werden.

18. Juli 2006. Einige Anwohner wundern sich, warum an dieser Stelle neue Laternenmasten aufgestellt werden sollen. Gegen Mittag wird jedoch klar: Es geht nicht um Beleuchtung, sondern um Bestrahlung. Auf dem Dach des Gebäudes Pfadäckerstrasse 1 wird eine UMTS-Basisstation des Betreibers O2 errichtet. Das war den Hausbesitzern, den Gebrüdern Gerhard und Uwe Mühleisen sowie deren Mutter Lore, aber noch nicht genug: Zwei Wochen später kommt eine gleichartige Anlage von Vodafone hinzu.

Der Standort macht selbst einen sofort hinzugezogenen Baubiologen sprachlos. Die Mobilfunkmasten befinden sich inmitten dichtester Wohnbebauung im historischen Ortskern von Hofen. Einige angrenzende Wohnhäuser sind lediglich etwas mehr als 10 Meter entfernt. Im Umkreis von weniger als 50 Meter und im direkten Angesicht der Masten leben 10 Kinder und Jugendliche. Aufgrund der Kessellage des Kelterplatzes liegen die Antennen so tief, das etliche Häuser im näheren Umkreis vom Hauptstrahl direkt getroffen werden. Selbst die sehr laxen Sicherheitsabstände aus der Standortbescheinigung werden gerade eben so eingehalten.

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Rücksichtslos ist nicht nur die Wahl des Standorts, sondern auch das Vorgehen der Gebrüder Mühleisen. Eine vorherige Information oder Rücksprache mit den Anwohnern erfolgte nicht. Während sich die Mühleisens während der 10-jährigen Laufzeit des Mietvertrags über Einnahmen im hohen fünfstelligen Eurobereich sowie eine kostenlose Sanierung ihres Daches freuen können, sind die Anwohner und deren Kinder machtlos und ungefragt den gesundheitsgefährdenden Strahlen der Mobilfunkmasten ausgesetzt. Dazu kommt noch die erhebliche Wertminderung aller benachbarten Immobilien.

Der sorglose Sommer 2006 fand für die Hofener Bürger am 18. Juli ein jähes Ende. Seitdem haben sich mehr als 270 Anwohner mit ihrer Unterschrift für den Abbau der Masten ausgesprochen. Das hat weder die Mühleisens noch O2 und Vodafone davon abgehalten, beide Masten Ende Dezember 2006 „für Ihre Kunden“ – und gegen den artikulierten Willen der Hofener Bürger – in Betrieb zu nehmen. Wir aber werden weiter dagegen kämpfen!