Die Fälscher

Die Fälscher. Mobilfunkpolitik und Forschung

Mobilfunkpolitik und Forschung: Fälschergeschichten

In Deutschland und Österreich findet eine heftige Debatte statt: ist die Mobilfunkstrahlung schädigend, sind Forschungsergebnisse glaubhaft, industriegesteuert oder gar gefälscht. Unsere Bürgerinitiative hat dazu die vielbeachtete Broschüre „Die Fälscher.Mobilfunkpolitik und Forschung“ herausgebracht und auch die politisch - industriellen Verflechtungen analysiert. Hier bringen wir Online-Fortsetzungen der Broschüre.

 

 

 

Tatort Wien:
Handystudien nicht gefälscht!
Eine Inszenierung der Mobilfunkindustrie wird zum Rohrkrepierer.

In Deutschland  wurde die UMTS – Technik ohne Überprüfung ihrer Wirkungen auf den Menschen eingeführt.
Das ist der eigentliche Skandal.

Es ist das Verdienst von Prof. Franz Adlkofer, dass er eine erste Studie initiierte.
2007 stellte Professor Adlkofer die UMTS-Studie vor (siehe Aktuelles 2 >>), durchgeführt an der Universität Wien (Institut Prof. Hugo W. Rüdiger).
In ihr wurde ein hohes gentoxisches Potential von UMTS festgestellt.
Die Studie erregte deswegen großes Aufsehen in der Fachwelt.
Die Printmedien aber schwiegen.

KorruptionJedoch im Mai 2008  ging ein Aufschrei durch die Presse:
„Handystudien gefälscht!“ 
Hinter dieser Meldung verbirgt sich ein Wissenschaftskrimi am Tatort Wien.

Nach dem Ergebnis der UMTS-Studie von 2007 sollten Überprüfungsstudien stattfinden.
Die Strategen der Mobilfunkbranche planten, wie das verhindert werden kann.
Sie bildeten eine Allianz mit Prof. Lerchl (Jacobs Universität Bremen) und dem Rektor der Medizinischen Universität Wien, Prof. Schütz, und ließen Mitarbeiter der ehemaligen  UMTS- Forschergruppe in Wien beobachten.
Eine ehemalige Laborantin der Forschergruppe kam in den Verdacht, bei einer Arbeit im April 2008 unkorrekt gearbeitet zu haben.
Man schlug, wohl auf einen Insidertipp hin, zu: eine Untersuchungskommission an der Universität  wurde gebildet.
Diese stellte ohne Untersuchung fest: die Laborantin habe eine Datenfälschung zugegeben, also müssen auch die REFLEX (2004)- und UMTS (2007) – Studie, an denen die Laborantin mitgearbeitet hatte, gefälscht sein.

Eine Presseerklärung der Universität Wien ging um die Welt: Handystudien gefälscht!

Nun stellte sich aber heraus: der von Rektor Schütz berufene Vorsitzende der Kommission war ein Vertreter der Mobilfunkindustrie.
Die Kommission musste aufgelöst und neu zusammengestellt werden.
Eine erste Blamage für den Rektor.

Die neu zusammengesetzte Kommission hörte die Laborantin und Prof. Rüdiger an. Die Laborantin gab zu Protokoll: Ihr wurde 2008 zufällig der Verblindungscode bekannt.
Dies lag an einem Schaltfehler der Apparatur.
(Darüber gibt es jetzt eine Debatte.
Niels Kuster: Comments on the Brief Communication ‘‘Security Considerations in Blinded ExposureExperiments Using ElectromagneticWaves’’by ChristianWolf.pdf >>).

Sie habe nie Daten gefälscht, alle Mobilfunkstudien seien unter Verblindung durchgeführt worden. Ihre Kenntnis des Codes seit 2008 habe sie nicht dazu genutzt, Fälschungen vorzunehmen. Die Mobilfunkstudien waren zudem lange vor dieser Kenntnis abgeschlossen. Die Kommission sah keinen Anlass, diese Aussagen in Zweifel zu ziehen. Die Fälschungskonstruktion war zusammengebrochen.
Eine zweite Blamage für den Rektor.

Muff von 1000 JahrenHinterlist in alter Tradition der Eliten:
Das Ganze drohte zu einem völligen Gesichtsverlust der Universitätsführung zu werden. Der Rektor schlug in seiner Erklärungsnot deshalb Prof. Rüdiger außerhalb der Untersuchungskommission einen Kompromiss zur Wahrung des Ansehens der Universität vor. 
Der angebotene Kuhhandel: weil durch die Kenntnis des Codes (seit 2008 !!) das wissenschaftliche Kriterium der Verblindung potentiell verletzt sein könnte,
solle Prof. Rüdiger die UMTS-Studie (2007) aus formalen Gründen zurückziehen, der Rektor lasse im Gegenzug den Vorwurf der Datenfälschung fallen.
Professor Rüdiger ging darauf ein und zog unter repressivem Druck die UMTS - Studie (nicht jedoch die REFLEX-Studie) aus formalen Gründen zurück, um den Ruf seiner „Alma Mater“ zu bewahren und den von Rektor Schütz nicht weiter zu beschädigen. Gleichzeitig bekräftigte er in seiner Erklärung, die Ergebnisse der UMTS-Studie seien korrekt. Doch Rektor Schütz hielt sich nicht an seinen Teil der Abmachung: er gab eine Presseerklärung heraus und bezeichnetet weiterhin die Reflex- und UMTS-Studien als gefälscht. 
Prof. Rüdiger  bezeichnet heute seine Gutgläubigkeit und diesen Kompromiss als schweren Fehler.
Manipuliert waren nicht die Wiener GSM - und UMTS – Studien , sondern die Öffentlichkeit. Denn die Presse übernahm willig und unrecherchiert eine Inszenierung der Mobilfunkindustrie im Bund mit korrumpierter Wissenschaft.
Daraus ist aber eine ernste Situation entstanden. Mit dieser rufschädigenden  Kampagne sollte erreicht werden, dass die EU keine Forschungsgelder für eine bereits beantragte UMTS-Studie bereitstellt.
UMTS-Produkte können also weiter ohne Erforschung ihrer Wirkungen verkauft werden. Das kann nicht akzeptiert werden.
Wir fordern deshalb, dass die EU und der deutsche Staat das von dem Forschungsverbund um Prof. Adlkofer vorgelegte Projekt fördert.

Analyse des östereichischen Magazins "Profil" 48/2008.pdf >>

Detaillierte Darstellung der Wiener Vorgänge durch die Kompetenzinitiative.pdf >>

Brief der Bürgerinitiative an Prof. Schütz über die praktischen Auswirkungen seines Handelns.pdf >>

Eine Geschichte aus Österreich:
Die Mobilfunkstudie „Hausmannstätten“
Wer anderen eine Grube gräbt......

Gerd OberfeldDie Ergebnisse der Mobilfunkstudie „Hausmannstätten“ erregten großes Aufsehen, weil sie einen direkten Zusammenhang von Sendemasten und Krebs herausfand.
Ein juristischer Streit enstand.
Nun hat der Autor der Studie, Dr. Gerd Oberfeld mit dem Mobilfunkbetreiber einen Vergleich geschlossen. Die Pressemitteilungen der Betreiber legen nahe, er habe die Studie zurückgezogen, was nicht der Fall ist.
Dennoch bleibt Verwirrung zurück - wir können sie nicht in einer Ferndiagnose auflösen, aber Fakten zur Meinungsbildung bereitstellen.

Vergleich Originaltext.pdf >>
Wann schließt man einen Vergleich? pdf >>
Oberfeld Presseerklärung.pdf >>
Oberfeld Media Information.pdf >>
Kleine Zeitung 18.11.2005, Print Version.pdf >>

Vorgeschichte:
Autor: Dr.Gerd Oberfeld, Umweltmediziner des Landes Salzburg, Umweltreferent der Österreichischen Ärztekammer, veröffentlichte am 20.1.2008 die o.g. Studie. Auftraggeber der Studie: Die Steiermärkische Landesregierung.
Thema:
Untersuchung, ob im Umfeld des Wählamtes Hausmannstätten eine Krebshäufung vorliegt und ob diese gegebenenfalls mit einer C-Netz-Sendestation (Betrieb 1984 – 1997) zusammenhängen kann.
Titel: „Umweltepidemiologische Untersuchung der Krebsinzidenz in den Gemeinden Hausmannstätten&Vasoldsberg“
Unterlagen: die Fernmeldebehörde teilte mit, dass Daten von Sendern, die außer Betrieb sind, gelöscht werden. Doch die Existenz des Senders wurde bezeugt: u.a. von einem Techniker und Anwohnern.
Beteiligte an der Untersuchung: Altbürgermeister, Bürgermeister, die Landesbehörde, Anwohner.pdf >>
Durchführung: Im Zeitraum vom 5.8.2005 – 20.1.2008 führte Dr.Oberfeld die Untersuchung durch. Methoden u.a. Befragung der Anwohner, statistische Auswertung; Simulation des Senders.
Mobilfunkindustrie: keine Stellungnahme während der Durchführung der Studie Öffentliche Wahrnehmung: Parlamentsdebatte, Zeitungsbericht vom 18.11.2005, Kleine Zeitung
Ergebnis der Studie:
Massive Krebshäufung (vor allem Brustkrebs und Hirntumoren) im Radius 200m um das Wählamt. Die hohe Krebsinzidenz wird auf den Sendemasten zurückgeführt.
Reaktion der Mobilfunkbetreiber: Am 25.2.2008, nach Abschluss der Studie führten alle österreichischen Mobilfunkbetreiber in Wien eine Pressekonferenz durch. Behauptung: diesen Sender gab es nie.
Oberfeld habe eine Phantomstudie durchgeführt und unverantwortliche Ergebnisse publiziert. Oberfeld wird auf Widerruf und Unterlassung verklagt. Bei einer Verurteilung erwarten ihn evtl. Millionensummen Schadensersatz.

Gerd OberfeldDer Vergleich
Die Auseinandersetzung endete nun mit einem Vergleich.
Oberfeld hat die Studie, entgegen den Meldungen der Netzbetreiber, nicht zurückgezogen, (Oberfeld Presseerklärung.pdf >>), sondern nimmt den Standpunkt der Netzbetreiber, es habe nie einen Masten gegeben, ohne Widerspruch zur Kenntnis.

Dass er einen Vergleich unterzeichnet hat, darüber ist Oberfeld nicht unbedingt glücklich. Das gesamte Prozessrisiko wäre aber an ihm persönlich hängengeblieben. „Die Beweislast lag bei mir, es gab drei Zeugen der Mobilkom, ich hatte eidesstattliche Erklärungen von (sieben, d.Verf.) Anrainern und meinem Techniker.“
Salzburger-Fenster.pdf >>

Diesen Vorgang kommentiert das ECOLOG-Institut treffend:

„Einen Tag vor dem zweiten Verhandlungstermin vor dem Landgericht Salzburg, der für den 4. November angesetzt war, haben sich Mobilkom Austria und Dr. Gerd Oberfeld auf einen Vergleich geeinigt .
Darin nimmt Oberfeld zur Kenntnis, dass sich auf dem Wählamt in Hausmannstätten zu keinem Zeitpunkt eine C-Netz-Mobilfunkanlage befunden hatte, die als Ursache für das gehäufte Auftreten von Krebserkrankungen herangezogen werden könnte.

Zu den öffentlichen Reaktionen hierauf ist Folgendes anzumerken:

(1) In den Pressemitteilungen der Mobilfunkbetreiber( s. z.B. [1]) wird teilweise versucht, diese Tatsache dahingehend zu interpretieren, dass jetzt die Behauptung, dass die Mobilfunkstrahlung das Krebsrisiko erhöhen könnte, widerlegt sei.
Allerdings ist die Existenz einer lokalen Krebshäufung, die nicht auf Hochfrequenzstrahlung zurückgeführt werden kann (wie in dem vorliegen Fall in Hausmannstätten), natürlich kein Beleg gegen einen solchen Zusammenhang.
Dies kann nur durch viele unabhängige Untersuchungen an anderen Orten überprüft werden.

(2) Es wird versucht, Oberfeld als Wissenschaftler zu diskreditieren.
Dem widerspricht Lettowsky, der Anwalt von Oberfeld: "Er (Oberfeld) bestätigt mit dem Vergleich allerdings nicht, dass seine wissenschaftliche Arbeit falsch gewesen war. Seine wissenschaftlichen Schlüsse basierten auf vorliegenden Informationen, die im Rahmen des Verfahrens nicht erhärtet werden konnten". [2]

(3) Vor allem aber wird hervorgehoben, wie 'schlimm' solche Studien sind, die mögliche Risikoerhöhungen auf eine nicht vorhandene Quelle zurückführen, dass dieses unnötige Ängste in der Bevölkerung verbreiten.
Dass dies geschehen konnte, wird von der Mobilfunkindustrie allein Oberfeld angelastet. Allerdings stellt sich die Frage, wieso die Mobilfunkbetreiber dieses nicht dadurch verhinderten, dass sie dem Autor auf seine lange vor der Veröffentlichung an sie gestellte Anfrage nicht schon damals mitgeteilt haben, dass in Hausmannstätten nie eine C-Netz-Anlage existiert hat.
Aber - so scheint es – die Mobilfunknetzbetreiber haben lieber abgewartet, bis die Studie veröffentlicht wurde, um dann laut auf den 'Skandal' hinweisen zu können. Dieses Vorgehen zeugt nicht gerade von wahrgenommener gesellschaftlicher Verantwortung und verhindert korrektes wissenschaftliches Arbeiten durch Schweigen.“

Quellen
[1] http://www.ots.at
[2] http://derstandard.at

(Ende des Zitats aus dem EMF-Monitor 5/2008)

Resümee:
Tatsache 1: Oberfeld nimmt die Ansicht der Mobilfunkbetreiber z.k., dass kein Sender existierte, zieht aber die Studie nicht zurück.
Die Mobilfunkbetreiber können aber ebenso die Nichtexistenz des Senders nicht beweisen und vergleichen sich.
Tatsache 2: Zur Bedeutung für den Forschungsstand schreibt der EMF - Monitor 5/2008 : „Allerdings ist die Existenz einer lokalen Krebshäufung, die nicht auf Hochfrequenzstrahlung zurückgeführt werden kann (wie in dem vorliegen Fall in Hausmannstätten), natürlich kein Beleg gegen einen solchen Zusammenhang.
Dies kann nur durch viele unabhängige Untersuchungen an anderen Orten überprüft werden.“
Auch ohne diese Untersuchung bleiben die Aussagen über die Auswirkungen von Sendemasten durch andere Untersuchungen bestehen:
Abdel – Rassoul (2007, Ägypten) >>
Hutter et al. (2006, Österreich) >>
Eger et al. (2004, Deutschland , Naila – Studie) >>
Santini ( 2003, Frankreich) >>

Schlussbemerkung:
Aber zwei geschäftsfördernde Tatsachenbehauptungen bleiben bestehen:
Rauchen ist gesund. gez. Prof.Dr. Marlboro
Mobilfunk ist ungefährlich. gez. Prof. Dr.V.Odafone

 

 

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